Die Eroberung von Schloss Torgelow oder Wie multivariable Analysis Spaß macht

Der Abschied ist gekommen. Die Akademieteilnehmer liegen sich in den Armen, klagen über das nun bevorstehende Akademie-Ende und vereinbaren schon eifrig Nachtreffen. Denn jeder will diese einzigartige Atmosphäre wieder erleben.

2 Monate zuvor: „Matthias, ein Brief ist für dich gekommen.“ Ich wundere mich, ich erhalte normalerweise nie Briefe. „Mach ihn schon auf.“-drängt meine Mutter. Ich stimme ihr zu und öffne den Brief. Ein ganzer Stapel an Papier fällt mir entgegen. Meine Augen überfliegen den Text der ersten Seite: „Mama es hat geklappt! Ich bin dabei!“ Jubelnd hüpfe ich in der Küche umher.

Vor einigen Wochen wurde ich durch den Gewinn eines Bundeswettbewerbs und durch ein Schreiben meines Schulleiters für die Deutsche Schülerakademie vorgeschlagen. Die Deutsche Schülerakademie bietet jedes Jahr für „heraus-ragende und hoch motivierte“ Schüler, Kurse auf Uni-Niveau mit einem bunten Begleitprogramm an. Ich hatte Glück und erhielt den Kurs meiner Erstwahl: „Exoplanetenjagd“. Während der nächsten zwei Monaten flatterten daher schon Schreiben der netten Kursleiter meinen Posteingang. Endlich war es soweit, ich stieg in den ICE, um vom Bayrischen Wald in den hohen Norden nach Mecklenburg Vorpommern zu reisen. Mit dabei: Große Vorfreude und ein mulmiges Gefühl: Werden da nur Streber zu Gast sein oder gibt es da auch Leute mit denen man Party machen kann? Handelt bei der Deutschen Schülerakademie etwa schon der SmallTalk von multivariabler Analysis? Nach 9 Stunden Fahrt erreichte ich endlich den Bahnhof in Waren. Zahlreiche weitere Akademieteilnehmer waren schon da. Anstelle von multivariabler Analysis schwäbelte mir ein freundlicher Württemberger entgegen: „Spielscht Du auch Fußball?“. Ich bejahte und stieg in den Bus ein, der mich nach Schloss Torgelow bringen sollte. Der Akademie-Ort war wirklich malerisch: An ein am See gelegenes Schloss schloss :) sich ein Schulgelände mit Tennis, Volleyball- und Fußballplätzen an. Diese würden in den nächsten beiden Wochen auch stark beansprucht werden. Von nun an ging es los: Schlossrallye, Begrüßung durch ein selbstkomponiertes Lied und erstes Schwimmen im See. Die folgenden zwei Wochen waren gut strukturiert: Morgens im großem Plenum wurde gesungen, Organisatorisches besprochen und ich verkündete im Rahmen der DSA-News als Nachrichtensprecher jeden morgen die wichtigsten politischen Meldungen. Danach ging es in die Kurse. Ob Soziologie, Kosmologie, Literatur, Biogas oder Codes, alle Kursinhalte waren hochinteressant, erforderten aber bei wenigen Stunden Schlaf (eigentlich war um 23.00 Uhr Bettruhe...) hohe Konzentration. Weiterer integraler Bestandteil der Akademie waren die „Kurs-übergreifenden Angebote“ eigentlich nur KüAs genannt. Diese wurden von den Kursleitern und Akademieteilnehmern selbst angeboten und erzeugten erst die besondere Vielfalt der Akademie. Ich selbst bot Philosophie und Politik in Form eines Debattierclubs an. Ob Tanz, Schach, Orchester, Chor, LaTeX, Beach-volleyball, Rudern, Gruselgeschichten oder einfach nur Chilln und Entspannen - für jeden war was tolles dabei. Die KüAs machten wirklich irre viel Spaß. Höhepunkte der Akademie waren aber sicherlich der Exkursionstag, das Volleyballtunier, das beeindruckende Konzert, die beiden Partys und der Bunte Abend. Durch die vielen Aktivitäten, die guten Gespräche, die lustigen Streiche und die tolle Akademie-leitung entstand eine einzigartige Atmosphäre, die ich so noch auf keiner anderen Akademie erlebt habe. Beispielgebend war auch das Verhältnis zwischen Kursleitern und Teilnehmern. Ob beim Volleyball mit einem Mathematik-Doktoranden, beim Grillen mit einem Software-Entwickler oder beim Singen mit einer Regisseurin, ich erlebte immer eine unglaublich ungezwungene Atmosphäre. Das war einfach schön. Nach der letzten Kurseinheit, der letzten KüA und einem nächtlichen Schwimmen im See war nun der Abschied gekommen. Die Akademieteilnehmer lagen sich in den Armen, klagten über das nun gekommene Akademie-Ende und vereinbarten schon eifrig Nachtreffen. Denn jeder will diese einzigartige Atmosphäre wieder erleben.